Durch den Einsatz von Wasserlack und die Optimierung des Lackierprozesses hat ein Tischlerei-Betrieb in Österreich den Lackverbrauch um 40% reduziert.
Die Tischlerei Wittmann im österreichischen Scharnstein stattet Gemeinde- und Pfarrämter, Kindergärten und Musikvereine mit Holzstapelstühlen aus. Daneben ist das Unternehmen auch Zulieferant für einen der grössten Schulmöbelhersteller Österreichs.
Mit Hilfe der Umweltförderung stieg Wittmann bereits 1993 auf Wasserlack um. Die Tischlerei verarbeitete neben 1400 Liter Nitroverdünnung, 900 Liter Nitrolack und 7000 Liter Polyurethanlack eine Wasserlackmenge von 10'000 Liter jährlich. Der gesamte Lackverbrauch lag damit bei 19'300 Liter.
Im Jahr 1994 konnte der gesamte Polyurethan-Lackverbrauch auf eine Menge von 700 Liter gesenkt werden. Die stark lösemittelhaltigen Nitrolacke wurden vollständig eliminiert und durch Wasserlack ersetzt. Der Wasserlackbedarf stieg damit auf 14'500 Liter jährlich. Den Verbrauch an lösemittelhaltigen Lacken konnte der österreichische Stuhlhersteller auf diese Weise bereits 1994 gegenüber 1992 um 90% reduzieren.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Overspray im Wasservorhang der Spritzkabine aufgefangen, in einen Tank gespült, dort koaguliert und anschliessend als Sondermüll entsorgt. «Bei einem Lackeinsatz von 100 Litern pro Tag ist das einen Verlust von über 40 Litern», konstatiert Karl Wittmann, der Firmenchef, «Das ist viel Geld für einen Handwerksbetrieb. Und dazu kommen noch die Entsorgungskosten.»
Einen Schritt weiter...
...ging das Unternehmen im April 1995: Der Lack wird im Wasservorhang der Spritzkabine aufgefangen und mittels Ultrafiltration aus dem Kabinenwasser zurückgewonnen. Nach der Aufbereitung kann der Lack direkt wieder eingesetzt werden. Die Ultrafiltrationsanlage sowie der wasserverdünnbare Lack stammt von der Österreichischen Firma Feycolor in Mäder. Durch eine fast hundertprozentige Rückgewinnung des Wasserlacks werden nun die Materialkosten halbiert. Da ausserdem kein Lackschlamm mehr anfällt ist eine Entsorgung nicht mehr notwendig.
Nach angaben von Wittmann wird der Wasserlackbedarf 1996 bei nahezu gleicher Auftragslage wie im Vorjahr von 14'500 Litern auf 8'700 Liter sinken. Lösemittelhaltige Lacke spielen en dem Unternehmen nunmehr eine unbedeutende Rolle.
Overspray fast vollständig aufbereiten
Der Hersteller von Holzstapelstühlen geht davon aus, dass aufgrund der Lackrückgewinnung dieses Jahr eine Lackeinsparung von 40% erreicht wird. Durch die Optimierungen der Aufhängung der Werkstücke soll künftig fast der gesamte Overspray aufbereitet und wieder zur Lackierung eingesetzt werden können. Die Investitionskosten von 550'000 ÖS (umgerechnet zirka 80'000 Mark), von denen 30% durch das Umweltministerium gefördert wurden, sollen sich, nach Auskunft des Unternehmens, bereits innerhalb von zwei Jahren amortisiert haben.